Lebendige Gärten
inspirieren • planen • verwirklichen
Nicht ganz einfach...
Blumenwiese 2.0
Eine vom Innenraum sichtbare Böschung und wichtige Blickachse. Sie ist karg, steinig, steil, südseitig, z.T. beschattet.
Die Böschung grenzt direkt an den Wald und soll sich harmonisch in die Landschaft fügen - und wenig Arbeit machen. Eine monotone Bepflanzung mit einem Bodendecker allein wird ausgeschlossen. Es soll spannend sein, man soll die Natur erleben können von innen! Und für Insekten soll es etwas sein!
Mein Vorschlag: eine ganzjährig interessante Blumenwiese aus heimischen Pflanzen, den auffälligeren Ziersorten derselben und anderer Gattungen, sowie Kleinsträuchern und -bäumen zu kreieren, stößt auf Begeisterung.
Die Pflanzung: Die Kunden verlegen, auf meine Empfehlung, sehr engagiert auf der ganzen Böschung horizontal Latten, um einer Rutschung des Hanges vorzubeugen. Am Pflanztag schaffen wir es, kichernd und rutschend, die großen und kleinen Pflanzen gut einzusetzen. Danach wird eingegossen, die autochthone Blumenwiesenmischung (REWISA) ausgesät und abgewartet.
Im ersten Jahr: explodiert die Blumenwiese geradezu! Sie wächst üppig und vielfältig! Die in den Hang gesetzten Gehölze tun sich schwerer – im Jahr darauf unterstützt eine Bewässerung die Gehölze, die durch die andauernde Trockenheit nicht anwurzeln konnten. Und dann geht bei allen so richtig die Post ab!
Die richtige Pflege: aufmerksames „Rundherum“- Mähen um Gehölze und Stauden und Abtrag des Mähgutes zweimal pro Jahr und kontinuierliches Freilegen der „Unwilden“, damit diese sich behaupten können!
Was ich daraus gelernt habe: Als Kunde muss man sehr beharrlich an die Vision „Blumenwiese“ glauben und darauf vertrauen, da die besuchende Umgebung anfangs meint, man müsste doch die Böschung jäten, es wüchse zuviel Gras, zuviel dies und zuviel das. Was Laien meist übersehen ist, dass eine Blumenwiese zu etwa 80% aus verschiedensten Gräsern besteht, Gras sehr schön ist und außerdem hervorragend Böschungen befestigt!
Der Trick des Gestalters: Größere Gehölze sowie auffälligere und auch in anderen Zeiträumen blühende Pflanzen zu setzen, die sich in die natürliche Blumenwiese einfügen können. Selbstverständlich müssen diese „nicht Wilden“ erst hochgehätschelt werden, damit sie überhaupt eine Chance haben. Denn die Pflanzen der natürlichen Blumenwiese haben ja schon lange gelernt mit „Konkurrenz“ zu leben und diverse Strategien (frühe, späte Blütezeit/Keimung, Wurzelausläufer, Millionen von Samen, etc.) entwickelt, die ihrer optimalen Entwicklung sehr zuträglich sind!
Fazit: Es ist gar nicht so einfach und weit entfernt von „pflegeleicht“, doch gibt es kaum etwas Spannenderes als eine modifizierte Blumenwiese, die einen ganzjährig interessanten Anblick bietet!
Voraussetzungen sind:
- Hingabe zu lernen,
was man stehen lässt,
was man bei näherem Hingucken doch entfernt, - keine Angst zu haben zu scheitern - wenn man mal etwas entfernt hat, was doch gut war (das meiste wächst wieder nach) und
- Vertrauen, dass manchmal weniger „Rupfen“ mehr ist und durch selektives Lenken der Pflanzung – mal wird die eine Pflanze freigelegt, mal abgeschnitten – die Schönheiten sich anmutig abwechseln.
- Augen, die die kleinen Details wahrnehmen - das zarte Spinnennetz, das von Raureif glitzert, der seltene, vielleicht ganz unscheinbare Schmetterling, der glücklich über die Wiese gaukelt, weil er gerade hier (und nur hier) seine Futterpflanze gefunden hat und noch dazu in Massen!!! oder der kleine Käfer, der trunken in einer Blüte hängt, und, und, und…und ganz viel mehr!








